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Bericht von Walter Merk umrahmt mit Foto's von Georg Diehl
In den 30-er Jahren zählten etwa 400 Wirtschaften zum Kundenstamm, darunter
zwei in Stuttgart. Nach Friedrichshafen fuhren zwei Eisenbahnwaggons. Depots
in Friedrichshafen, Krauchenwies, Leutkirch, Münsingen, Neuhausen/Fildern,
Ratzenried, Ravensburg, Singen, Ulm und Urach sorgten für die zügigen
Lieferungen auch an die abgelegenen Abnehmer. Wegen der fehlenden Kühlmöglichkeit
mußte der Kunde oft täglich, wenn nötig auch mehrlmals angefahren
werden. Mit den Brauereigäulen wurde sommers wie winters das Bier geführt.
Etwa 10 Schlitten standen im Winter bereit. Auf einen Schlitten konnte man bis
15 Holzfässer zu je 30 Litern laden. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgte
die Umstellung auf Lastwagen. 1970 waren 12 Lastwagen unterwegs, um die rund
60000 Hektoliter Bier und alkolholfreien Getränke pro Jahr zum Kunden zu
bringen. |
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Mit dem Verkauf der Brauerei an Fürstenberg endete
1970 abrupt die Zeit des Warthauser Bieres mit dem Werbezeichen des
wackeren Schwaben, das bei den Sammlern immer größeres Ansehen genießt. |
| 1938 besaß die Braurei Warthausen
10 LKW's und 4 Pferdegespanne, sowie 2 firmeneigene Eisenbahn-Kühlwaggon.
Für weiter entfernte Kunden wurde das Bier über Bierdepots (Münsingen.
Ulm, Ravensburg, Ratzenried bei Wangen und Friedrichshafen) ausgeliefert.
Die Bierfuhrwerke brachten das Bier in die nähere Umgebung, so z.B. nach
Baltringen, Mietingen, Berg bei Ehingen und etwas früher sogar bis Altsteusslingen
und Grötzingen auf der Schwäbischen Alb. In südlicher Richtung
war es vor allem Biberach, Ummendorf, Fischbach und Füramoos, die mit
Pferdefuhrwerken angefahren wurden. Im Gasthaus "zur Linde" in
Ummendorf, dessen Nachbar Walter Merk war, kam schon in frühester
Jugend mit den Bierfuhrwerken in Berührung und war mit ausschlaggebend
für den späteren erlernten Beruf als Industriekaufmann in der Brauerei
Warthausen im Jahre 1938. |
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Nach dem 1. Weltkrieg, arbeitete sich die Brauerei
Warthausen zur größten Brauerei Oberschwabens und der Region Bodensee empor. Der Betrieb beschäftigte über
60 Arbeiter. 4 Biersieder und 6 bis 8 Mälzer waren für die Güte des Lager-, Weizen- und Pilsbieres
verantwortlich. In vier großen Kellern wurde das Bier gelagert. In vielen Gemeinden Oberschwabens
blickte der "wackere Schwabe" dem
Biertrinker entgegen. und es waren über 250 Kunden, sog. Zapf- oder Achskunden zu beliefern.
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Bei den Kunden auf dem Lande musste der Bierkutscher die landwirtschaftlichen
Arbeiten noch mit erledigen. Diese Arbeiten gehörten einfach
zum Kundendienst und mußten selbstverständlich unentgeltlich getan
werden. Die Brauereipferde kannten den Heimweg ja genau und sind des öfteren
mit schlafendem Bierkutscher auf dem Bock im Brauereihof angekommen, denn
das Kundschaftsbier tat eben auch damals schon seine Wirkung. |
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Bei den LKw waren Daimler-Benz und Magirus die bevorzugtenMarken. Die älteren Fahrzeuge
hatten noch Vollgummireifen und Handbremse und Schaltung außerhalb der Wagentüre. Der
obere Teil der Wagentüre war mit Segeltuch abgeschirmt, also ohne Glas, denn man mußte
ja zum Schalten über die Wagentüre hinweggreifen. Die Brauerei hielt es
beim LKW-Kauf meistens so, dass ein Teil des Kaufpreises in Ware, also in
Bier geliefert bzw. bezahlt werden konnte und das waren dann immerhin 300 - 500 Kasten
Bier. der Bierpreis für solche Gegengeschäfte wurde
von den Lieferfirmen der LKW sehr gedrückt, da die Konkurrenz seitens
der Brauereien auch damals schon sehr groß war. |
In den Sommermonaten wurden die Bierniederlagen
in Ratzenried und Friedrichshafen
mit den betriebseigenen Eisenbahnwaggons beliefert. Diese Kühlwaggons waren
zugleich Werbeläufer der Brauerei, denn der Firmennamen prangte groß
an den Außenseiten. Zusätzlich mußte im Sommer Eis in die Waggons
verladen werden.
6 -8 Zug Eis zu je 18 Stangen a 30 kg mußte bei einer Lieferung von 60 - 80 hl
mitgeliefert
werden. Die Brauerei Warthausen besaß eine Kunsteiserzeugungsanlage und
war damit schon sehr modern eingerichtet. Außer Kunsteis wurde auch Natureis
erzeugt bzw. eingefahren und zwar aus dem Eisweiher in Warthausen und den Weihern
in Birkenhard. Im Eisweiher in Warthausen war die Baufirma Anton Wachter in
tätig, das Eis große Stücken aus dem Weiher zu sägen, welches
dann von Baueren mit Ihren Schlitten zum Eishaus im Brauereihof gefahren wurde.
Für Bauern war dies ein netter Nebenverdienst im Winter. |
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20 - 30 Schlittengespanne aus Warthausen und
Birkenhard fuhren Eis und man war
darauf bedacht, möglichst viele Fuhren zu machen, denn es wurde ja nach
Fuhren und nicht nach Gewicht bezahlt, so dass es manchmal auf das richtge Stapeln
auf dem Schlitten ankam. Das Eis wurde auf einen Eisenrost geschüttet und mit
Holzschlegeln
zerschlagen. Ein Becherwerk beförderte das Eis ins Eishaus. Eisgalgen wo das Eis per
Spritzverfahren erzeugt wrude, gab es in der Niederlagen Ratzenried und Münsingen,
sowie im Gasthaus zum Hechtkeller in Biberach. Für die Bierfahrer war es im Sommer eine
Heidenarbeit
und auch unbeliebt, Natureis zu laden, denn man war oft verschwitzt. Im Eishaus
mußte man das Eis erst lospickeln und dann in Körbe oder Eiswannen
auf den LKW bzw. das Fuhrwerk befördern. Die Gaststätten
hatten meistens noch sog. Eishäuser, die vom Brauereimaurer erstellt werden
mußten. Hier wurden das Eis und Bier gelagert. |
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Die Arbeitszeit in der Brauerei begann in der Regel um 6 Uhr für bis am abend
18:00 Uhr. Dies galt für den Brauereidirektor und den Brauereiarbeiter
genauso wie für den Bürolehrling und das von Montag bis Samstag. Um
6:00 Uhr früh stand Herr Neher bereits an der Anschreibetafel im Abfüll-
bzw. Wichskeller - die Fassreinigungsmaschine nannte man Wichs - um zu sehen,
was ausgeliefert wurde. An dieser Anschreibetafel wurde vom Versandleiter täglich
angeschrieben, welche Fuhren jeder LKW bzw. jedes Fuhrwerk zu machen hatte mit
den entsprechenden Kunden und der jeweiligen Fassbiermenge.
Jeder Bierkunde hatte seine eigene Fassnummer und diese mußte dann auf die zu verladenden
Fässer mit Kreide geschrieben
werden. Der Angeber nannte Fassnummer und Literzahl und der Buchhalter, hat diese Angaben
in das Kellereibuch übertragen. Das Nummernangeben an den Biertransportfässern war eine
Sache für sich, denn jeder Angeber hat sich eine besondere Tonlage angeeignet, was sich
dann oft schon ulkig anhörte. Dies war zollamtlich vorgeschrieben. Die
Kellerbücher mussten seinerzeit jeden Montat zur Kontrolle neben Malz- und Sudbücher
ins Zollamt gegeben werden. Der Zollkommissar kam jede Woche 2 - 3
mal in die Brauerei zur Kontrolle. Malzbuch, Sudbuch minus 12 - 13 % Schwund
im Lagerkeller bzw. Abfüllkeller mussten den Ausstoß ergeben. |
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Die Lagerkelleranlagen der Brauerei Warthausen waren am Schloßberg angebaut
und wurden vom Sudhaus aus teils unter bzw. über die Straße beschickt.
Die Lagerkeller waren damals noch zum größten Teil mit Holzfässern
bestück mit ca. 40 - 50 hl Inhalt. Doch auch wurden schon Alu- und Stahltanks
verwendet mit einem Inhalt bis zu 180 hl. Die Gesamtlagerkapazität betrug
ca. 10.000 - 12.000 hl, also ca. 1/6 des Jahresausstoßes, so dass das
Bier mindestens 8 Wochen gelagert werden konnte, was zur guten Qualität
beitrug. Abgefüllt wurden die Transportfässer in einer 3er-Anlage. Es
konnten 3 Fässer gleichzeitg abgefüllt werden und damals noch ausschließlich
in Holzfässern von 8 - 60 Litern bzw. besondere Kunden in 100-l-Fässern.
Anschließend an den Abfüllkeller befand sich der Gärkeller.Die Bierhefe die sich
absetzte wurde in früheren Zeiten noch an Bäckereien verkauft, dies
war ein privates Nebeneinkommen für den Braumeister. Auch viele Warthauser
haben Bierhefe direkt im Gärkeller abgeholt und bei Keuchhusten war der
Aufenthalt im kohlesäurehaltigen Gärkeller oft von heilender Wirkung.
Der Gärführer, wie der Vorarbeiter im Gärkeller genannnt wurde,
war ein bevorzugter Posten in der Brauereifacharbeiter. |
Die Flaschenabfüllung, die vom Bauereihof
aus zugänglich war, weil hier auch das Flaschenleergut gestapelt
wurde, war in den 30-er-Jahren noch ziemlich rückständig.
Die Flaschenreinigungs-maschine hat nur eine Einzelaufnahme vom
8 Flaschen, was natürlich eine viel zu geringe Kapazität
war und die Flaschenfüllmaschine in ähnlicher Ausführung
entsprach keiner Weise mehr den Anforderungen der Zeit. Jede Flasche
mußte noch einzeln mit Bügelverschluss verschlossen werden,
bis dann die Kronkorkenverschlüsse kamen. Das Sortiment der
Bierflaschen war 0,5 / 0,7 und Literflaschen. 0,5 und Literflaschen
waren die gebräuchlichsten. Die 0,7-Liter-Flasche wurde hauptsächlich
im Allgäu verwendet und nur in kleinen Mengen bei der übrigen
Kundschaft. Der Kasten Liter-Flaschen umfasste 20 Flaschen und hatte
ein Gewicht von ca. 40 kg. Der Lagerarbeiter im Flaschenkeller musste
jeweils 5 Kästen aufeinander stapeln und täglich bis zu
300 Kästen. Auch beim Beladen der Fahrzeuge mussten die Kasten
vom Bierkeller ins Freie getragen werden und auf den LKW geladen
werden, später wurden dann Laufbänder ins Freie angeschafft. |
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Die
Mälzerei hatte den größten Anteil am Brauereigebäude. In
4 Stockwerken wurde Malz hergestellt. Gerste wurde noch sehr viel von den Baueren
der Gegend gekauft, aber auch die bäuerliche Kundschaft lieferte sehr viel
Braugerste an, doch mangelte es eben an der Qualität der Gerste, denn unsere
Gersten-Sorten sind keine ausgesprochenen Braugersten, welche feinspezlig sein
sollten. Die beste Braugerste wurde aus der Pfalz und Nordost-Württemberg (Künzelsau)
geliefert und über Großhändler eingekauft. |
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Der Brauerei angeschlossen war eine Küferei und Picherei. Da zum Transport
von Bier fast ausschließlich Holzfässer verwendet wurden, mußten
diese Fässer immer wieder instand gesetzt werden .
Flüssiges, geruchloses Pech wurde in einem Spritzverfahren in die Fässer
gespritzt. Schon bei der Fassreinigung wurden die angeschlagenen Fässer
aussortiert. Auch die großen Lagerfässer mußten immer wieder
ausgelagert werden. Das
Auskellern war oft eine Milimeterarbeit und mußte
meistens mit Flaschenzügen bewerkstelligt werden. Überhaupt war auch
das Reinigen der Lagerfässer eine spezielle Arbeit. Durch das Schlupfloch
mußte sich der Bierbrauer in das Innere des Fasses quälen um es reinigen
zu können. Fass-Schlupfen war eine unangenehme Arbeit, zumal es dabei auch sehr feucht
zuging. |
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In dieser Zeit waren ungefähr 60 - 65 Personen in der Brauerei beschäftigt
zumal die Pferdefahrer auch in der dazugehörenden Landwirtschaft beschäftigt
waren. In Warthausen gehörte es damals zum guten Ton und fast war es eine
Selbstverständlichkeit, dass man in der Brauerei arbeitete. Denn der Verdienst
war gut und zudem hatte man sein Hausbier. Bierfahrer erhielten täglich
3 Liter, Bierbrauer 4 Liter, Biersieder und Mälzer 5 Liter Haustrunk. Diese
Bierdeputate mussten seinerzeit noch täglich über Biermarken in der
Brauereigaststätte eingelöst werden. Wer seine Biermarken nicht vollständig
engelöst hatte, bekam eben am nächsten Tag entsprechend weniger, was
jedoch nicht allzu oft der Fall war. Brauereiwirt Ferdinand Gerster schenke
das Biermarken-Bier aus, das dann im Schalander (Aufenthaltsraum) getrunken
wurde. Später konnte das Haustrunkbier im Kasten nach Hause genommen werden.
Wenn man bedenkt dass ein Bierfahrer, der von
seinem 18. bis 65.Lebensjahr Bierfahrer war, täglich 3 Liter Bier getrunken
hat, so ergab das immerhin eine Menge von 42.000 Litern, ohne das Kundschaftsbier
das er täglich erhielt. |
Die Zeit vor dem 2. Weltkrieg brachte bereits einschneidende Veränderungen.
Zum Bau des Westwalls mußten LKW samt Fahrer abgestellt werden um Materialtransporte
zu bewerkstelligen. Es wurde hierfür wohl eine Entschädigung bezahlt,
doch zu Hause mussten Mietfahrzeuge eingesetzt werden. Gleich bei Beginn des 2.
Weltkrieges im September
1939 wurden viele wehrpflichtige Männer als Soldaten eingezogen. Bald
nach Ende des Frankreichfeldzuges im Sommer 1940 kamen belgische Kriegsgefangene
in die Brauerei. Gerste und Malz wurden kontigentiert und auch die Belieferung der Kunden
mit Bier wurde wegen der Kontigentierung unterstellt, wobei natürlich öfter ein Auge
zugedrückt wurde um den Wünschen der Kunden doch noch einigermaßen
entgegenzukommen. Da auch Benzin, Diesel und Reifen der Kriegsbewirtschaftung unterstellt
waren, war es oft schwierig, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Der Umsatz an Bier während
des 2. Weltkrieses blieb
ziemlich konstant, da auch Militäreinheiten wie in Friedrichshafen und
Münsingen beliefert wurden. |
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Die Brauereigebäude hatten den 2. Weltkrieg unbeschadet überstanden, doch
in den ersten Nachkriegsjahren kam die Produktion fast zum erliegen. Bier mußte
fast ausschließlich an das französiche Militär und vor allem
an die UNRA - eine Hilfsorganisation der Besatzungsmacht für ehemalige
Fremdarbeiter etc. geliefert werden. Aufgrund der zur Bierherstellung fehlenden
Rohstoffen wurde zeitweise ein Molkebier, genannt Käswasserbier hergestellt.
Dies war eine Erfindung aus der Not heraus, hatte allerdings mit Bier wenig
gemeinsam. Da es im Brauereigewerbe immer noch zu wenig Arbeit gab, wurden die
aus der Wehrmacht und Gefangenschaft zurückkehrenden Arbeiter zum Teil
im Nehr'schen Wald eingesetzt. Mit der Währungsreform im Juni 1948 kehrte
auch im Brauereigewerbe wieder langsam normales Leben ein. Rohstoffen konnten
wieder beschafft werden und die Bierherstellung lief wieder voll an. Neue LKW
wurden gekauft und es ging wieder aufwärts. In dieser Zeit lieferte die
Brauerei Warthausen auch Bier an die damals noch kleine Brauerei Ott in Bad
Schussenried. Auch die Brauerei Olpp in Bad Urach holte Bier in Warthausen ab.
Der Schreiber dieser Chronik, Walter Merk, begann nach 10-jähriger Abwesenheit
durch Arbeitsdienst, Wehrmacht, und fast 6-järiger Kriegsgefangenenschaft
im Januar 1950 wieder seine kaufmännische Tätigkeit. |
Das Wirtschaftswunder zeigte auch im Brauereigebäude seine Früchte und
die Aufwärtsentwicklung war nicht aufzuhalten. Doch dass man noch mit enormen
Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, zeigte sich auch daran, dass man noch
mit Holzgas angetriebene LKW fahren mußte. Wenn man z.B. nach Friedrichshafen
fuhr, mußten immer 6-8 Säcke Holz mitgenommern werden um genügend
Brennstoff dabei zu haben. Die Geschwindigkeit betrug dann 38 km/h. Um
den Umsatz weiter zu fördern, wurden neue Bierniederlagen aufgemacht, wie
in Krauchenwies, Singen-Hohentwiel, Neuhausen-Fildern, Stuttgart und Bad Urach.
Auch der alkohlfreie Umsatz wurde forciert und die Brauerei stellte selbst Schwabenlimonade
her und vertrieb auch Fremdprodukte wie Chabeso etc. Für den alkoholfreien
Betrieb wurde ein eigenes Fahrzeug eingesetzt. Der damalige Verkaufsfahrer Anton
Mayer setzte sich sehr für steigenden Umsatz mit gutem Erfolg ein. 1955
wurde der alte Gärkeller total umgebaut und war somit für Jahre der
modernste seiner Art im Vertriebsgebiet der Brauerei Warthausen. Eine neu Flaschenreinigungsmaschine
mit einer Stundenleistung von 3.000 Flaschen wurde in Betrieb genommen, ebenso
neue Etikettierungsmaschinen um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Die Brauerei Warthausen hatte fast wieder zum Vorkriegsumsatz von 60.000 hl
zurückgefunden. |
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In diese Zeit fiel auch die Neugestaltung des Biervertriebes.
Flaschenbierhandlungen wurden vieler Orts eröffnet. Fast jedes Lebensmittelgeschäft
führte nunmehr auch Flaschenbier. Der Heimdienst mit eigenen Verkaufsfahrzeugen und
Verkaufsfahrern wurde großzügig gefördert. Sehr viele Privathaushalte
bezogen nun kastenweise ihr Bier. Die
Brauerei Warthausen hatte selbst 20 eigene Gaststätten, davon allein in
Biberach 10, wie z.B. Hotel Württemberger Hof, Posthörnle, Gasthaus
Wilder Mann, Drei Tannen, Weißer Ochsen, die Stadtwirtschaft, Felsengarten,
nur um einige zu nennen. Weiter eigene Wirtschaften befanden sich in Warthausen
(Bahnhofswirtschaft) in Bad Schussenried, Saulgau, Bad Wurzach, Ravensburg,
Friedrichshafen und Ulm. Der Reparatur- bzw. die Wiederherstellung nach Kriegsschäden
erforderte sehr viel Geld, doch es lohnte sich im ganzen Oberland mit eigenen
Gaststätten vertreten zu sein. Obwohl Warthausen ja ziemlich zentral gelegen
war, blieb die Entfernung von Friedrichshafen nach Stuttgart doch groß.
Depotverwalter Eugen Vögele in Friedrichshafen war ein Garant für
die Beliebtheit des Warthauser Bieres. In der Bierniederlage Münsingen war Karl Eppinger als Verwalter tätig,
zugleich der Hahnenwirt von Münsingen. Viele Jahre war Karl Eppinger Stadtrat und stellvertretende
Bürgermeister der Stadt Münsingen. |
| Bald nach Übernahme der Brauereiführung durch Anita Brand wurde in Ulm
das Hotel "zum Rad" in der Neuen Straße erbaut. Bei der Einweihung
wirkte u.a. Heinrich Sembinelli aus Biberach mit, damals sehr bekannt als Oberwschwäbsicher
Humorist. Die gesamte Brauereibelegschaft war zur Einweihung eingeladen.
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Das Büro war im ersten Stock des Braureigebäudes über der Brauereigaststätte. Zentraler
Raum war das Direktionszimmer, dessen Türe immer offen stand, so dass der
jeweilige Brauereidirektor stets einen Überblick hatte, was im Büro
vor sich ging. 1938 hatte man noch Stehpulte mit Drehstühlen. Als Bürolehrling musste
man allerdings stehen. Versandleitung und Buchhaltung
waren in einem Raum, jedoch kfm. getrennt, da ja der Versandleiter oft unterwegs
war. Die Kontokorrentbücher waren so groß und schwer, dass es schon
fast an Schwerstarbeit grenzte, diese Bücher zu bewegen. Im Laufe der folgenden
Jahre änderte sich dies natürlich, denn man passte sich der modernen
Entwicklung an. Wer im Addieren schwach war, der konnte es in der Brauerei Warthausen
lernen. Mussten doch täglich die Bieraufnahmen, oft 30-40 Posten addiert
werden. Im Bierversandbuch, das damals handschriftlich geführt wurde, waren
Zahlenreihen von 50 - 60 Posten und das 20 Seiten. Wir Lehrlinge und auch noch
später haben oft um die Wette addiert, einmal rauf, einmal runter und es
mußte stimmten, da konnte es uns niemand so leicht etwas vormachen. Additionsmaschinen
wurden erst in den 60iger Jahren angeschafft und dann auch noch moderne Buchhaltungsmaschinen.
Bierrechnungen wurden immer von Hand geschrieben und zum Monatsersten war dies
immer die zentrale Arbeit in den ersten Monatstagen. |
| Das Büro war zugleich der Besuchsraum für die Kundschaft. Früher
zahlte die Wirtekundschaft ihre Bierrechnungen zum größten Teil
noch bar. Entweder gab man das Biergeld dem Bierfahrer mit, oder die Kundschaft
kam persönlich zur Brauerei. Durch diesen vielen Besuche hatte man einen
guten Kontakt zur Kundschaft, vor allem zur weiblichen Kundschaft. Es kam nicht selten
vor, dass irgend etwas Gutes für die Angestellten abfiel. Die Bierzahler
wurden dann immer in die Brauereigaststätte zum Essen eingeladen, was natürlich
gerne angenommen wurde. Ab und zu wurde das Entgegenkommen auch reichlich ausgenützt
und übertrieben. Durchschnittlich waren 6 Angestellte im Büro tätig,
ausserdem 2 - 3 Biervertreter |
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Das Sudhaus, das Glanzstück, im wahrsten Sinne des Wortes, lag an der Vorderfront
der Brauerei, mit 2 großen Fenstern gegen die Ehinger Straße. Die
Maisch- und Würzepfanne, waren diese leuchtenden Glanzstücke. Jeden Tag nach dem Sudvorgang mußten dieselben
mit einem Hefe- und Schwefelsäuregemisch äußerlich geputzt und
poliert werden, das war der Stolz der Biersieder. Biersieden ist eine ziemlich schweißtreibende Arbeit, denn die Temperaturen sind
durch den Kochvorgang des Bieres ziemlich hoch. Biersieder zu sein, war immer ein gehobener und gut bezahlter
Posten. Der Abfall im Sudhaus war der Biertreber und wurde ausschließlich für
die eigene Viehfütterung verwendet oder es wurde der Treber von den
Bauern aus Röhrwangen, Schemmerhofen und Ingerkingen abgeholt. |
In Wiest's Haus, früher Zehntstadel vom Schloss Warthausen waren vor dem 2.
Weltkrieg die Autowerkstätte, sowie Garagen untergebracht. Der damalige Werkstattmeister
Halder war ein Meister seines Fachs und er hat oft die schwierigsten Reparaturfälle
mit einfachen Mitteln an den LKW's gemeistert. Später wurde
die Reparaturwerkstätte ins Brauereigelände verlegt. Weitere LKW-Garagen
befanden sich längere Jahre im landwirtschaftlichen Gebäude mußte
aber dann einer Stallerweiterung Platz machen.
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Das Maschinenhaus bzw. die Maschinen wurden mittels Dampf betrieben.
Zwei Dampfkessel sorgten dafür, dass die Maschinisten immer genug zu tun hatten. In den
60-er Jahren wurden die Dampfkessel durch Heizölkessel ersetzt und es wurde
von Kohle auf schweres Heizöl umgestellt. Neben dem Kesselhaus befand sich die Pumpstation der
Ortswasserversorgung der Gemeinde Warthausen.
Die Quelle, Schüttung von 12-14 Litern pro Sekunde. Die Brauerei hatte somit kostenloses
Wasser von vorzüglicher Qualität. |
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Zur sozialen Lage kann noch erwähnt werden, dass für die Betriebsangehörigen ein Wannenbad
eingerichtet wurde, das zur freien Verfügung stand. Auch wurde über die Flaschenreinigung im
nächsten Stock ein neuer Aufenthaltsraum eingerichtet. Bekamen doch damals schon ausgeschiedene Betriebsangehörige bzw.
deren Witwen eine Betriebsrente.
Der größte Teil der Betriebsangehörigen waren gewerkschaftlich
organisiert, was mit ein Verdienst des damligen Betriebsratsvorsitzenden Stefan
Utz gewesen war. Sein gutes Verhältnis zur Betriebsleitung wurde von
Arbeitegeber und Arbeitnehmer geschätzt und anerkannt. 20 Jahre lang
übte er dieses Amt zum Wohle der Arbeitstkollegen aus und es kann hierbei
erwähnt werden, dass diese gewerkschaftliche Geschlossenheit ein großer
Vorteil beim Verkauf der Brauerei Warthausen war. Konnten doch hierbei in
zähen Verhandlungen die Abfindungen für die ausscheidenden Arbeitnehmer
festgelegt und geregelt werden. Besonders zu erwähnen ist hierbei, dass
erreicht wurde, dass die Betriebszeiten der Angehörigkeit zur Brauerei
Warthausen in Bezug auf einer Betriebsrente vom Käufer der Brauerei anerkannt
wurde. |

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